EDC17, MED17, MEVD17 klonen: Welche Steuergeräte sich klonen lassen – und welche nicht
Zuletzt aktualisiert: 31. Oktober 2026
Warum die Gerätegeneration über alles entscheidet
Ein Steuergerät ist ein kleiner Computer: Prozessor, Flash-Speicher, EEPROM, Spannungsversorgung, Treiberstufen. Beim Klonen werden die Speicherinhalte von einem Gerät auf ein anderes übertragen. Wie aufwendig das ist, hängt fast vollständig an drei Dingen:
- Welcher Prozessor verbaut ist (und wie er kontaktierbar ist)
- Ob ein externer Flash-Baustein existiert oder der Flash im Prozessor liegt
- Ob das Gerät softwareseitig verriegelt ist
Die Bosch-Familien EDC16, EDC17, MED17 und MEVD17 unterscheiden sich genau in diesen Punkten – deshalb gibt es keine Pauschallösung und keine Pauschalpreise.
Die Bosch-Familien im Vergleich
| Familie | Einsatz | Prozessor (typisch) | Zugriff | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| EDC16 | Diesel, ~2001–2010 | MPC5xx (Freescale/NXP) | Bench oder Boot | externer Flash vorhanden, gut dokumentiert |
| EDC17 | Diesel, ab ~2007 | Infineon TriCore TC17xx | meist Boot nötig | Software-Verriegelung (TPROT), Virtual EEPROM im Flash |
| MED17 | Benzin-Direkteinspritzung | Infineon TriCore TC17xx | meist Boot nötig | wie EDC17, andere Applikation |
| MEVD17 | Benzin, BMW/Mini | Infineon TriCore TC17xx | meist Boot nötig | enge Verzahnung mit Fahrzeug-Codierung |
Für einen echten 1:1-Vollklon gilt bei allen Familien derselbe Grundsatz: Prozessor, externer Flash und EEPROM müssen gemeinsam gelesen und geschrieben werden. Ein Klon, der nur den EEPROM überträgt, ist kein Klon – er ist ein Datenfragment.
EDC16: die gutmütige Generation
EDC16-Geräte sind technisch der dankbarste Fall. Der Prozessor stammt aus der Freescale/NXP-MPC5xx-Reihe, der Applikations-Code liegt häufig in einem separaten externen Flash-Baustein, und die Wegfahrsperren-Daten sitzen in einem kleinen EEPROM. Diese Trennung macht die Arbeit nachvollziehbar und prüfbar.
Typische Kombinationen aus unserer Praxis:
| Steuergerät | Prozessor | Externer Flash | EEPROM |
|---|---|---|---|
| EDC16CP34 (VAG) | MPC563 / MPC564 | M58BW016DB | 95320 |
| EDC16U1 (VAG) | MPC555 / MPC556 | Am29BL802C | 95320 |
| EDC16U31 / U34 (VAG) | MPC561 / MPC562 | M58BW016DB | 95320 |
| EDC16C1 (BMW) | MPC555 / MPC556 | Am29BL802C | 95160 / 95320 |
| EDC16C31 (BMW) | MPC555/556 oder MPC561/562 | M58BW016DB | 95160 / 95320 |
| EDC16C35 / CP35 (BMW) | MPC561/562 oder MPC563/564 | M58BW016DB | 95320 / 95640 |
| EDC16C2 (Mercedes) | MPC555 / MPC556 | Am29BL802C | 95160 / 95320 |
| EDC16CP31 (Mercedes) | MPC563 / MPC564 | M58BW016DB (2 MB) | virtuell im Flash |
| EDC16C34 / C3 (PSA) | MPC561/562 bzw. 555/556 | M58BW016DB bzw. Am29BL802C | 95160 / 95320 |
| EDC16C7 (Ford) | MPC555 / MPC556 | Am29BL802C | 95160 / 95320 |
| EDC16C8 / C39 (FCA) | MPC555/556 bzw. MPC561/562 | Am29BL802C bzw. M58BW016DB | 95320 / 95640 |
| EDC16C9 (GM/Opel) | MPC555 / MPC556 | Am29BL802C | 95160 / 95640 |
Zwei Sonderfälle sind wichtig:
- EDC16CP31 (Mercedes): Hier gibt es kein physisches EEPROM-Bauteil – die entsprechenden Daten liegen virtuell im Prozessor-Flash. Wer hier nach einem EEPROM-Chip sucht, sucht vergeblich. Zusätzlich muss der interne MPC-Flash (516 KB) mit bearbeitet werden.
- EDC16C35 / EDC16CP35: Die Bestückung schwankt je nach Baujahr. Mal sitzt ein 95320, mal ein 95640. Deshalb ist die Sichtprüfung der Platine vor dem Auslesen Pflicht – nicht die Annahme.
EDC17 und MED17: die verriegelte Generation
Bei EDC17 und MED17 kommt eine zusätzliche Hürde dazu: TPROT. Das ist eine herstellerseitige Verriegelung, die den Zugriff auf bestimmte Speicherbereiche über die normale Diagnoseschnittstelle unterbindet. Ein Vollklon setzt hier in der Regel einen Boot-Zugriff voraus: Der Prozessor wird beim Start abgefangen, bevor die Verriegelung greift.
Praktische Konsequenzen:
- Über OBD ist kein Vollklon möglich. Wer das behauptet, überträgt entweder nur einen Teil oder arbeitet mit einem anderen Verfahren.
- Der Zugriff erfolgt direkt am Gerät – Gehäuse öffnen, Platine kontaktieren, Prozessor in den Boot-Zustand bringen.
- Der Aufwand ist höher, also auch der Preis. Ein 149-€-Angebot für ein EDC17-Gerät ist ein Warnsignal.
MEVD17: BMW und Mini
MEVD17 ist die Benzin-Direkteinspritzer-Familie, die vor allem bei BMW und Mini verbreitet ist. Technisch gilt dasselbe wie bei EDC17. Die zusätzliche Herausforderung ist die enge Verzahnung mit der Fahrzeug-Codierung: Das Gerät kennt die Ausstattung des Fahrzeugs. Beim Klonen auf ein Spender-Gerät müssen deshalb nicht nur Software und Wegfahrsperre, sondern auch die Variantenkodierung mit übernommen werden – sonst passen Ausstattungscodes und Leitungssätze nicht zusammen.
Weitere Familien, die uns häufig begegnen
| Familie | Hersteller | Besonderheit beim Klonen |
|---|---|---|
| SID (SID803, SID807) | Siemens/Continental | Diesel, teils mit Partikelfilter-Logik im Gerät |
| SIMOS (PCR 2.1, 18.x) | Continental | VAG-Benziner, Codierung stark fahrzeuggebunden |
| MJD (6JF, 6JO, 8F) | Marelli | Fiat/Opel-Diesel, verbreitet, gut zugänglich |
| IAW | Marelli | Benziner Kleinwagen |
| DELPHI (DCM3.x) | Delphi | Ford/PSA-Diesel |
| DENSO | Denso | Toyota/Suzuki-Diesel |
| SCR / AdBlue-Module | diverse | eigenes Steuergerät für Harnstoffeinspritzung |
| EZS / EIS | Mercedes | Zündschloss, Teilenummer statt HW/SW-Nummer |
| BCM / SAM | Mercedes | Zentralelektrik, Teilenummer entscheidend |
| TCU | diverse | Getriebesteuergerät, z. B. DSG DQ200 |
Die harte Grenze: Hardware und Software müssen passen
Das ist die Regel, an der nichts zu drehen ist:
Voraussetzung für ein Cloning ist ein Spender-Gerät mit identischer Hardware-Nummer und identischem Software-Stand. Bei abweichender Hardware oder Software ist kein 1:1-Cloning möglich.
Warum ist das so streng? Weil der Klon byte-identisch sein muss. Unterschiedliche Hardware bedeutet unterschiedliche Pin-Belegung, andere Treiberstufen, andere Sensorik. Unterschiedliche Software bedeutet eine andere Applikation für eine andere Abgasnorm oder Leistungsstufe. Ein „passend gemachter“ Klon ist kein Klon, sondern eine Bastelei.
Bei Mercedes EZS, BCM und SAM tritt an die Stelle von HW/SW-Nummer die Teilenummer (etwa HC12, ST12, 1J35D). Diese prüfen wir vorab anhand der Typenschilder.
Was Sie vor der Anfrage bereithalten sollten
Vier Angaben reichen für eine verbindliche Auskunft:
- Fahrzeug: Marke, Modell, Baujahr, Motor
- Steuergerät: Bezeichnung (z. B. EDC16U31) und Hardware-Nummer
- Software-Stand (falls auslesbar)
- Foto des Typenschilds – das klärt die meisten Fragen in einem Schritt
Wenn Sie ein Spender-Gerät haben: dieselben vier Angaben dazu. Wir prüfen dann kostenlos, ob ein 1:1-Klon möglich ist.
Häufige Fragen
Kann man ein EDC17 über OBD klonen?
Für einen vollständigen Klon nein. Die Verriegelung greift vor dem Zugriff auf die relevanten Bereiche. Es gibt Teilverfahren über OBD, die aber kein 1:1-Abbild erzeugen.
Warum ist bei manchen Geräten kein EEPROM-Baustein zu finden?
Weil die entsprechenden Daten virtuell im Prozessor-Flash liegen – etwa beim EDC16CP31 oder bei vielen EDC17-Geräten. Das ist kein Fehler, sondern Bauart.
Kann ich ein Gerät aus einem anderen Fahrzeug gleicher Baureihe nehmen?
Nur wenn Hardware-Nummer und Software-Stand identisch sind. „Gleiche Baureihe“ reicht nicht – innerhalb einer Baureihe gibt es oft ein Dutzend Varianten.
Was passiert, wenn nur der EEPROM kopiert wird?
Das Fahrzeug springt in vielen Fällen an, fährt aber mit der Software des Spenders. Ergebnis: falsche Kennfelder, unpassende Codierung, sporadische Fehler. Deshalb ist ein Vollklon über alle Bausteine der Standard.
Wie lange dauert das Klonen?
In der Regel 1–2 Werktage ab Ankunft des Geräts, zuzüglich Versandzeit.
Passende Artikel und Geräte
- Was kostet Steuergerät klonen?
- Welche Daten werden übertragen?
- EDC16-Geräte mit Festpreis im Shop
- Steuergerät-Programmierung im Bench- und Boot-Modus
Fachliche Rückfrage: WhatsApp 01521 2686666 · Telefon 01521 5485041
Rayen Slimane
Spezialist für ECU-Programmierung, Kennfeldoptimierung und Web-Entwicklung in Dortmund 44147
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